Philosophy Lexicon of Arguments

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Explanation: making a statement in relation to an event, a state, a change or an action that was described before by a deviating statement. The statement will often try to involve circumstances, history, logical premises, causes and causality. See also description, statements, theories, understanding, literal truth, best explanation, causality, cause, completeness.
 
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Chalmers, David
 
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David Chalmers
Explanation I 50
Erklärung/Chalmers: eine gute Erklärung ist oft eine, die viele Fälle abdeckt. Problem: ob man dem Einzelfall gerecht wird.
Lösung: bei biologischen Phänomenen ist es oft der Fall, dass sich ähnelnde Einzelfälle eine verwandte Vorgeschichte haben.
I 84
Erklärung/Explikation/Chalmers/(s): unterscheidet zwischen Explikation und explanation. Letztere gebraucht er im Zusammenhang mit Reduktion als reduktive Erklärung (reductive explanation) z.B. von phänomenalen Eigenschaften, während er explication für Begriffserklärungen reserviert.
Bsp Die Eigenschaft, Rolf Harris zu sein konstituiert kein Phänomen das eine Erklärung (explanation) braucht, im Gegensatz zu einer Explikation.
I 121
Erklärung/Bewusstsein/Chalmers: selbst wenn wir unsere Erklärungen immer weiter verfeinerten, würden sie nur immer verfeinerte Erklärung kognitiver Funktionen liefern, nicht aber Erklärungen unseres bewussten Erlebens.
I 122
Die Existenz von Bewusstsein wird immer eine zusätzliche Tatsache zu unseren strukturellen und dynamischen Tatsachen sein.
Aber wir müssen gar nicht jegliche Erklärung von Bewusstsein aufgeben. Wir müssen uns nur von der Idee verabschieden, dass diese Erklärung reduktiv sein müsste.
I 177
Erklärung/Bewusstsein/Paradoxie/Chalmers: Problem: Bewusstsein kann nicht reduktiv erklärt werden, Urteile über das Bewusstsein und phänomenale Urteile (über Erfahrungen bzw. Erlebnisse) müssen aber so erklärt werden können, weil sie im Bereich der Psychologie liegen.
Paradox: dann ist Bewusstsein letztlich wiederum irrelevant für die Erklärung phänomenaler Urteile. (Avshalom Elitzur (1989), Roger Shepard (Psychologe, 1993).
I 178
Lösung/Chalmers: der Gehalt meiner Erfahrungen kann nicht wiederum reduktiv erklärt werden.
Problem: wenn wir die Urteile („Erfahrungsberichte“) des Zombies deflationistisch behandeln ((s) als einfache Zitate) können diese reduktiv erklärt werden.
Lösung: man kann oft höherstufige Eigenschaften gebrauchen, um Eigenschaften niedrigerer Stufe überflüssig zu machen (Bsp Molekülbewegung statt Wärme).
Problem: die höherstufigen Eigenschaften sind immer noch logisch supervenient auf dem Physikalischen. D.h., wenn man eine Handlung neurophysiologisch erklärt, macht das den Appell an das Gedächtnis (als phänomenale Eigenschaft) nicht erklärungsmäßig irrelevant.
I 179
Diese Relevanz wird durch die logische Supervenienz vererbt.
Bsp wenn ein alleinstehender Mann ein Bedürfnis nach weiblicher Begleitung hat, was durch die Tatsache erklärt wird, dass er männlich und unverheiratet ist, macht das nicht die Tatsache, dass er ein Junggeselle ist, irrelevant. Allgemein: wenn zwei Mengen von Eigenschaften begrifflich verbunden sind, macht eine Erklärung in Begriffen der einen Menge die Existenz einer Erklärung in begriffen der anderen Menge nicht erklärungsmäßig irrelevant.
Lösung: bei physikalischen Erklärungen: wenn logische Supervenienz im Spiel ist, gibt es keine erklärungsmäßige Irrelevanz: eine Beschreibung höherer stufe ist logisch auf eine au einer niedrigeren Stufe bezogen.
Problem: das Bewusstsein ist nicht logisch supervenient auf dem Physischen. Es gibt daher auch keine begriffliche Abhängigkeit der Ebenen.
I 188
Erklärung/Bewusstsein/Chalmers: anders als bei der Erklärung von religiösem Glauben, wo die Annahme göttlicher Existenz zur Erklärung anderer Phänomene gefordert wird, verhält es sich bei der Erklärung von Bewusstsein anders: hier ist schon das Bewusstsein gegeben und muss nicht als Annahme hinzugenommen werden.
Bewusstsein wird auch nicht durch Urteile über bewusstes Erleben („Dies ist ein roter Gegenstand“) erklärt.
I 191
Erklärung/Bewusstsein/Chalmers: es gibt drei Weisen, gegen die angebliche Irrelevanz des Bewusstseins für die Erklärung von Verhalten zu argumentieren.
I 192
1. Das Argument aus dem Selbst-Wissen/Chalmers: wir wissen, dass wir selbst bewusste Erlebnisse haben. Aber s ist schwer, damit zu argumentieren.
Lösung: wenn Erlebnisse erklärungsmäßig irrelevant wären, könnten wir nicht wissen, dass wir welche haben.
I 193
1. Argument aus der Kausaltheorie des Wissens: Problem: wenn Erfahrung kausal irrelevant ist, kann ich nicht damit argumentieren. Dann habe ich kein Wissen über meine Erfahrungen. Shoemaker (1975) argumentiert so für einen Materialismus des Bewusstseins und für einen reduktiven Funktionalismus.
Zombie/Shoemaker: für Shoemaker sind Zombies logisch unmöglich.
Wissen/Bewusstsein/Chalmers: ein Eigenschaftsdualist muss argumentieren, dass Wissen über bewusste Erlebnisse eine andere Art Wissen ist als das Wissen, über das man im Zusammenhang mit Verursachung durch Gegenstände spricht.
I 194
Verlässlichkeitstheorie/Chalmers: ist im Fall unsers Wissens über uns selbst nicht angemessen. Zwar sind die phänomenalen Urteile meines Zombie-Zwillings nicht verlässlich. Daher könnte man annehmen, Verlässlichkeit sei ein Unterscheidungsmerkmal zwischen mir und dem Zombie. Aber mein Selbstwissen über Bewusstsein ist anderer Art: es ist reflektiert.
Wir sind sicher, dass wir ein Bewusstsein haben, das kann höchstens „philosophisch“ angezweifelt werden.
I 195
Verlässlichkeit/Chalmers: wo fehlt sie? Bsp In Situationen wie die der Gehirne im Tank. Solche Beispiele gefährden nicht unsere Gewissheit, dass wir ein Bewusstsein haben, da hier keine Kausalität im Spiel ist.
I 196
Unser Zugang zu unserem Bewusstsein ist ganz direkt, er ist nicht vermittelt.
I 197
Unkorrigierbarkeit/Chalmers: ist mit diesem direkten Zugang aber nicht gemeint!
I 198
Kausalität/Bewusstsein/Chalmers: wir brauchen gar keine Kausalität, um unsere bewussten Erlebnisse zu erklären: unser Wissen davon gründet auf einer viel direkteren die Beziehung. Es geht darum, wie ich davon weiß, nicht, wie mein Gehirn davon weiß, daher geht es nicht um eine physikalische Relation.
Problem: Überzeugungen könnten sich auch ohne Erlebnisse bilden.
ChalmersVsVs: aber dann habe ich Gewissheit über meine Überzeugungen.
Zombie: würde genau dasselbe sagen.
I 199
ChalmersVsVs: natürlich, von einer Dritte-Person-Perspektive wissen wir sowieso nicht, ob andere ein Bewusstsein (bewusste Erlebnisse) haben. Aber wir wissen es von uns selbst.
Überzeugungen/Zombies: am Ende könnte der Zombie sogar dieselben Überzeugungen haben wie ich.
ChalmersVsVs: ja, aber die Belege für meine Überzeugungen sind viel einfacher: es sind die Erlebnisse. Sie sind das Primäre.
Deflationistisch/inflationistisch/Chalmers: unsere Argumentation ist hier sowieso deflationär, d.h. über die rein funktionale Rolle von Überzeugungen – inflationistisch wären Überzeugungen selbst ein Teil der phänomenalen Erfahrung.

Cha I
D.Chalmers
The Conscious Mind Oxford New York 1996

Cha II
D. Chalmers
Constructing the World Oxford 2014


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Ed. Martin Schulz, access date 2017-03-30